Eine Retrospektive - AKS

Denn mit kühler Attitüte
rauchten wir Zig'rrete,
tranken den Kaffee
aus Übersee.
Beschwerten uns, wir hätten ja ach so viel zu tun.
Sechzehn Stunden im Atelier,
schließlich will man die Idee auch umgesetzt seh'n.

Uns hat man nicht mehr beigebracht,
die Welt mal anzuschauen. Dafür hat man Freizeit.
Aber wie auch, in diesem Loch, umgeben von einer
braunen Schar, wird man selbst zum Extremen.

Statt nach Verschmelzung mit der Welt zu fragen,
suchten wir nach Alleinstellungsmerkmalen.
Denn wir sind die Größten.
Nehmen uns das Recht heraus zu urteilen.
Das ist Design. Das nicht.
Das ist gut und das ist schlecht.

Komisch, dass sich Kommilitonen jeden Tag
das Feierabendbier hinunter stürzen.
Wir ham's doch so gut, können uns ganz aufs
Studium konzentrieren.
Weil hier nichts ist, außer Wald und der Getränkemarkt.

Und wenn der Alkohol nicht reicht,
dann wird gelästert, vermutet und geklotzt.
Es wird geschaut,
wer aus deinem Zimmer kommt.
Fragen tut keiner, was gerade Phase ist,
warum auch,
alle wissen doch eh schon was geschehen ist,
alle ham's geahnt, sich schon gedacht.
"Jo, ich hab's doch immer schon gesagt."
Fragen tut keiner,
denn wenn's alle glauben,
ist es ja die Wahrheit.

Ich schäme mich, für die Sekunden,
die ich das gut und witzig fande.
Ja, wir wissen sehr viel über Farbe,
über Form und Eigentum,
aber was ist mit Verantwortung?

Ich wollte mit Künstlern studieren,
stattdessen durfte ich mir anhören,
welche Brüste die Größten sind,
wer mit wem zu welchen Zeitpunkt fickt.
Schlimmer noch,
ohne sie je gesehen zu haben,
könnte ich einige Studenten nach ihren
Penislängen aufstellen.
Weil es anscheinend Konsens ist,
die Menschen zu vergleichen.

Elfenbeintürme sind niemals gut,
weil wir dort anfangen, ans Schicksal zu glauben.
"Das ist schon für was gut. Das macht schon Sinn.
Du musst nur lange genug durchhalten..."
"Nicht weinen. Brust raus. Immer Aufrecht."
Sie dürfen es nicht sehen.

Wir dürfen über Emotionen sprechen,
unsere kreative Arbeit damit legitimieren.
Aber Gefühle zeigen, die Stimme erheben?
Das schickt sich nicht,
ist anstrengend,
niemand hat Zeit dafür.
... für diese Hystery.

Hauptsache wir sehen lässig aus,
bei allem was wir tun.
Hauptsache lässig,
obwohl keiner weiß, was wir da tun.

So wurden wir erzogen.
Immer schön die Decke drauf.

So bog ich mich, wie viele andere.
Ich blieb. Weil ich nicht gehen konnte.

Wenn du deinen Lehrern anmerkst,
dass es ihnen lieber wäre,
wenn du nicht da wärst.
Irgendwann fallen auch keine Worte.
Irgendwann hörst du nur noch über Dritte,
was sie von dir halten.

Natürlich gehst du nicht, wenn man dir sagt,
du bist nichts wert.
Denn nur aus Gnade, lassen Sie dich bestehen.
- Die Männer, die die Kunst verstehen.
Woanders wird's nur noch schwerer.
Wenn du hier schon als schwierig und als Wildfang
gildest, wie wird's dann erst in der richtigen Welt?
Nein, du bleibst. Du kannst ja nix.
Ja, du bleibst. Das M.A. ist das, was zählt.

Tatsächlich wird es besser, in der richtigen Welt.
Aber das wusste ich nicht.
Deshalb blieb ich.
Ich war dumm, weil ich schwieg.
Jetzt ist es zu spät.
Zu spät für's Prüfungsamt.
Zu spät für den Artikel in der Presse.
Zu spät für die Audiomitschnitte.

Ich schäme mich, vertraut zu haben.
Ich schäme mich, geglaubt zu haben,
dass Titel irgendwas bedeuten.

Das Einzige, was ich tun kann,
ist dafür zu sorgen,
dass sich die Geschichte nicht wiederholt.
Ich muss dagegen kämpfen,
gegen die Annahme Gestaltung sei frei,
sei etwas Besonderes,
denn keine Sparte ist so abhängig von Tyrannei,
von Aberglauben und Abgrenzung,
von Kapital und Selbstüberschätzung.

Galerie, Laufsteg oder Messe,
hat keine Bedeutung in der Welt,
denn es ist nur rumgewichse,
auf sich selbst und auf das Geld,
was wir uns hin und her schieben.
Manchmal auch in den Arsch geblasen kriegen,
für Dinge, die ganz hübsch klingen.

Und wenn dann doch mal kleine Zweifel kommen,
bumsen wir das weg,
wenn wir nicht doch von zu viel Alk,
keinen mehr hochbekommen.

Und dann wird über das Mädchen gesagt,
mit ihr zu schlafen sei,
als stößt man in 'nen kalten, toten Fisch.
Es tut mir so leid, denn ich habe mitgemacht,
war Mittäter, bei diesem Schabernack.
Weil ich schwieg und nicht geholfen hab.
Hab geschwiegen, als du dich vor uns in seine Arme warfst,
wir alle wussten, was er denkt und sagte,
wir alle schwiegen...
Denn niemand will auf die Seite vom toten, kalten Fisch.
Das ist nicht lässig... die hat halt Pech.

So Reihe ich mich ein,
in die Gruppe der traurigen Gestalten dieses Ortes.
Ich bin froh, inzwischen etwas anderes zu sein.
Manchmal kommt die alte Redensart immer wieder hoch.
So hab' ich's gelernt.
Dann hol ich Luft und les' mein Tagebuch.

Meine Ausbildung war hart, ich hab' viel gelernt,
jetzt weiß ich, was den Leuten an den Hebeln gefällt.
Ich hab gelernt, wie man Menschen quält.
Und wie viel nötig ist, um mich und sie zu brechen.
Es hätte fast geklappt, beinahe hätte ich mitgespielt.
Aber dann gab's doch Jene, die haben mich gefühlt.
Die kleinen Lichtblicke, liebevoller Menschen,
waren es wert zu kämpfen.

Manche Dinge brauchten lang, bis ich sie verstand.
Es gibt kein Gut und Schlecht.
Es gibt nur Rücksicht,
Empathie und Neugier...
... oder eben nicht.

Künstler und Designer sind arrogante Schweine,
dacht ich.
Das gehört zum Handwerk,
dacht ich.
Aber nein, es sind die Menschen, die dahinter stehen.
Es gibt sinnvolles Design, bestimmt... mit Ideen, die
den Menschen in den Mittelpunkt stellen.
Es gibt Kunst, die ohne Selbstgefälligkeit,
eine Geschichte erzählt.
Die sich offenbart in Schmerzlichkeit
und anderen Menschen zeigt,
dass wir gemeinsam etwas schaffen können,
statt den Künstler vom Pöbel zu trennen.

Und die, die Preise einstecken,
von tollen Firmen,
die Suchtmittel und Landminen herstellen,
denen wird gesagt: "Fragt nicht nach. Ist doch
für den Lebenslauf."
Inhalt ist egal, hauptsache, es scheint was
Besonderes, Einmaliges zu sein.
Hauptsache, irgendwer kauft uns ein.

Wenn du Erfolg haben willst,
dann halte dich an die Regeln deiner Zunft.
Wenn du was ändern willst,
dann frag nicht um Erlaubnis.

Das alles war kein Fehler,
es war ein Beispiel, ein Microkosmos auf dem Berg,
der mir zeigt was passiert,
wenn Menschen ihre Menschlichkeit verlieren,
sich kopieren,
sich reproduzieren.
In ihrer heilen Welt.

"Geiles Produkt" und die Moral?
Widersprich den Andern nicht,
dein Leben wird sonst zur Qual.